Peter D. Zettel
Philosophie des Geistes

Was lenkt mich?

Ob Handlung, Ansicht oder Entscheidung – mein Gehirn initiiert und steuert, ich habe keine bewusste Kontrolle darüber. Was zu entscheiden ist, entscheidet mein Gehirn – automatisch. Handlungen geschehen spontan und unbewusst. Bewusstsein ist nachrangig.

Ich kann die Absicht haben, etwas zukünftig zu tun, aber ausführen kann ich es nur nicht-bewusst. Ich muss es einüben, egal ob es um Handlungen oder Einstellungen geht. Ich habe keinen Einfluss auf das, was ich konkret denke oder wie ich mich verhalte.

Weil mir selbstverständlich ist, was ich tue, ist mir selten bewusst, dass ich es nicht bewusst tue. Nähme ich an bewusst zu handeln, erläge ich einer Illusion. Kontrolle über mich selbst? Ein Scherz!

Je mehr ich mich zu kontrollieren suche, desto weniger kann ich. Höchstleistung ist nur möglich, wenn ich jegliche Kontrolle an das Unterbewusstsein abgebe. Völliges Versinken in das Tun – ohne Einmischung des Bewusstseins!

Einschätzungen erfolgen automatisch. Ich kann nur die Automatik anders einüben, vorausgesetzt, ich habe die Einsicht in die Notwendigkeit. Bewusstsein ist wie der Chef einer Firma, er tut nichts, er plant nur und gibt die Richtung vor. Aber er hat keinen Einfluss auf das, was passiert, er kann nur zwischen widersprüchlichen Motivationen vermitteln, es kann das ganze System überprüfen. Mehr aber nicht.

Ich entkomme meiner Umwelt nicht, sie beeinflusst mich unmittelbar. Doch das kann ich durch Reflexion erkennen. Es gibt leider keinen freien Willen im Handeln – was nicht bedeutet, dass ich berechenbar wäre, denn ich kann durch Reflexion, Bewusstheit und Einsicht auf mein Denken einwirken.