Peter D. Zettel
Philosophie des Geistes

Das Ich und das Du

Ich brauche als soziales Wesen die Anderen. Meine Neuronen brauchen andere Neuronen, um sich zu aktivieren. Gemeinschaft ist ein komplexes System von Wechselwirkungen. Die einfachste Begegnung ‚macht‘ etwas mit mir, bedingt eine andere Art der neuronalen Vernetzung.

Ich interpretiere in Alles Bedeutung, Motive und Emotionen vor dem Hintergrund sozialer Interaktion hinein, da mein Gehirn überall Absichten und Beziehungen vermutet.

Stimulationen, die ich bisher nicht wahrnehmen konnte, wirken in dem Moment, indem ich weiß, dass ich es kann. Beispiel Kreativität. Ich muss nur wissen, dass es sie gibt, um sie entfalten zu können. Und das ist mit allem so.

Ich ‚erkenne‘ den anderen, in dem ich ihn spiegle, mich also selbst erkenne. So empfinde ich, was andere empfinden. Die Basis für Empathie. Die Kehrseite ist, dass jede Gruppierung Außenseiter schafft und ausgrenzt. Auch Genozid ist ein neuronales Phänomen – aber nicht unabänderlich! Es ist die Frage, wem ich mich zugehörig fühle. Es geht dabei nicht etwa um Religion, sondern um die Gruppe.

Empfinde ich dabei eine Interaktion als unangenehm, kann ich diese Gefühle ‚abschalten‘ – und verhalte mich wie ein Psychopath, ich entmenschliche. Indem ich mich jedoch bewusst damit auseinandersetze, kann ich der ‚Gruppeninfektion‘ entgegenwirken.

Der beste und effektivste Schutz ist das Bewusstsein für die eigenen Vorurteile. Nur durch die konsequente Reflexion des eigenen Verhaltens kann ich meinen eigenen negativen Tendenzen entgehen, Tendenzen die ich als Potential definitiv immer habe. Entscheidend ist, dass ich dem nicht ausgeliefert bin.